Ob man jetzt zur Vernunft kommt und endlich die "VARUSSCHLACHT"-Schilder abhängt? Oder ist das Museum ein großer Witz, ein archäologischer DISNEY-PARK?
Fall Varus: »Kriegsbeil begraben«
Staatsanwaltschaft beendet Rechtsstreit um Ort der historischen Schlacht (Westfalen-Blatt vom 6.7.2007)Von Ernst-Wilhelm PapeDetmold/Osnabrück (WB). Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat den Rechtsstreit um den Ort der legendären Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus beendet.
Der Geschäftsführer der gemeinnützigen »Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH - Museum und Park Kalkriese«, Joseph Rottmann, habe zu Recht öffentliche Fördergelder beantragt und bezogen, sagte Staatsanwalt Sven Bendheuer. Zudem habe das Museum keine Funde zurückgehalten. Nach intensiven Ermittlungen sei das Strafverfahren wegen Subventionsbetruges gegen Rottmann eingestellt worden.
Im Hinblick auf die Jubiläumsfeierlichkeiten 2000 Jahre Varusschlacht im Jahr 2009 und die neue Diskussionsgrundlage hat der Landrat des Kreises Lippe, Friedel Heuwinkel (CDU), gestern dazu aufgerufen, den Streit um den Ort der Varusschlacht zu beenden. Heuwinkel: »Wir sollten das Kriegsbeil begraben und nicht länger darüber streiten, ob die historische Schlacht in Kalkriese oder im Teutoburger Wald in Lippe stattgefunden hat.« In Detmold erinnert seit 1875 das Hermannsdenkmal an die Niederlage der Römer. Die Varusschlacht gilt als Ereignis von Weltrang. Sie trug dazu bei, die Römer ein für alle Mal aus dem Norden Germaniens zu vertreiben.
In einer Strafanzeige hatte der Varusforscher Gerhard Tiggelkamp (72) aus Bad Kreuznach den Verdacht geäußert, dass in Kalkriese Funde zurückgehalten würden, die eindeutig belegten, dass Hermann der Cherusker (Arminius) und seine Germanen im Jahr 9 nach Christus den römischen Staathalter Varus und seine Legionen nicht in Kalkriese bei Osnabrück besiegt haben.
Die Träger und Geldgeber der gemeinnützigen GmbH, die Stiftung der Sparkassen im Osnabrücker Land und der Landkreis Osnabrück, seien weder getäuscht noch geschädigt worden, sagte Bendheuer. Der Landkreis habe erklärt, dass er die Ausgrabungen eines römisch-germanischen Schlachtfeldes fördere und nicht das Ergebnis der Ausgrabungen.
Die Frage, ob die Varusschlacht in Kalkriese stattgefunden habe oder nicht, sei für die Gewährung der Zuschüsse nicht entscheidend gewesen.
Der Landkreis habe zudem betont, dass es keine Beweise im Rechtssinne gebe, die nach 2000 Jahren eindeutig belegten, dass die Varusschlacht in Kalkriese stattgefunden habe.
Auch der Fund des fraglichen Mundbleches, das bereits seit Jahren in dem Museums ausgestellt werde, ändere an der Rechtslage nichts, sagte der Staatsanwalt. Es gebe viele denkbare Erklärungen dafür, wie das Blech in das Kalkrieser Gebiet gelangt sein könnte. Möglicherweise sei es - auf welchem Wege auch immer - erst nach dem Jahre 9 nach Christus dorthin gelangt. Vielleicht war es auch - auf welchem Wege auch immer - in den Besitz eines Angehörigen der Truppen des Varus gelangt. Bendheuer: »Das Fundstück kann daher nicht beweisen, dass das Kalkrieser Kampfgeschehen erst nach dem Jahr neun nach Christus zu datieren ist.«
Die Staatsanwaltschaft habe auch im Museum ermittelt. Nach Angaben von Bendheuer würden in Kalkriese viele Fragen nach dem Ort der Varusschlacht aufgeworfen. Einen eindeutigen Beweis, dass Kalkriese der Schlachtort sei, gebe es aber nicht. Dies werde von den Museumsverantwortlichen auch so dargestellt.
Auch das niedersächsische Wissenschaftsministerium betonte, dass eindeutige Belege für die Behauptung, Kalkriese ist ohne Wenn und Aber der Ort der Varusschlacht, fehlen.
Ministeriumssprecher Kurt Bernhard Neubert: »Kalkriese ist eine historisch interessante Stelle. Deshalb werden die Ausgrabungen gefördert.«
WB-Artikel vom 06.07.2007
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Dienstag, 10. Juli 2007
Sonntag, 22. April 2007
DIE ZEIT
DIE ZEIT
Das letzte Gefecht
Wo fand dereinst die legendäre Varusschlacht statt? Pünktlich zum 2000. Jahrestag kämpft Kalkriese in Niedersachsen gegen Konkurrenz aus Nordrhein-Westfalen.
Von Silke Hellwig
Kalkriese
Im Museumsshop ist die Welt noch in Ordnung. Hier liegen Playmobil-Römer, Lavendelöl (»Antike Welt der Pflanzen«) und die Wurst »Harter Hermann« aus. Das Gasthaus wirbt für einen »Römischen Abend – cena et musica«. Rund 550.000 Besucher zählt die Freiluftanlage pro Jahr, darunter allein etwa 1.000 Schulklassen. Hauptattraktion ist der Museumsturm, in 26 Meter Höhe zerrt der Wind den Besuchern an den Haaren, und die Aussicht beansprucht ihre Fantasie. Tief unten, auf einer großen Grasfläche zwischen bewaldeten Hängen und Niederungen, soll sie sich abgespielt haben – die Varusschlacht. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde sie als deutscher Gründungsmythos gehandelt: Arminius gegen Varus. Germanen gegen Römer. Im Jahre neun nach Christus. Gekämpft wird allerdings bis heute, wenn auch in anderer Besetzung.
Kalkriese im Osnabrücker Land steht nicht allein mit seinem Anspruch, die Stätte des historischen Aufstands von »Hermann, dem Cherusker«, zu sein. Vor allem das benachbarte Detmold neidet dem 850-Seelen-Örtchen Kalkriese, Stadtteil von Bramsche in Niedersachsen, seinen Ruhm. Und weil zwischen beiden Rivalen die Landesgrenze liegt, streiten jetzt Nordrhein-Westfalen gegen Niedersachsen, das Lipper gegen das Osnabrücker Land, Wissenschaftler gegen Hobbyforscher.
Blut fließt dabei nicht, die Gegner beharken sich allein mit Worten. Bei Podiumsdiskussionen, mit Aufsätzen, Büchern und Homepages. Gekämpft wird mit allen Mitteln – wer seine Erkenntnisse nicht veröffentlicht, wird nicht ernst genommen, wer nicht vom Fach ist, wird als »Heimathirsch« verunglimpft. Von Irreführung und Manipulation ist die Rede, von Geschichtsklitterung und Zitierkartellen. Schließlich geht es um viel: um Reputation, um Touristen, um Fördermittel und Forschungsgelder.
Der Streit schwelt schon seit Generationen. Mehrere hundert Orte wurden dabei als Schlachtfeld ausgemacht. Dass die Auseinandersetzung nunmehr neu entflammt ist, wundert Joseph Rottmann nicht – er diagnostiziert ein ansteigendes »Arminiusfieber«: In anderthalb Jahren jährt sich die Varusschlacht zum 2000. Mal. Und die Grabungsergebnisse in Kalkriese sprächen für sich, sagt der Geschäftsführer der »Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH«. 6000 Funde gebe es in Kalkriese, und »von Jahr zu Jahr kommen neue hinzu, das macht uns immer sicherer«. Weit und breit sei niemand, der ähnliche Schätze vorzuweisen habe, »um sich mit uns auf Augenhöhe auseinanderzusetzen«.
Durch das Museum führt ein fiktiver Ermittler namens Stahnke
Diese Selbstsicherheit dokumentiert sich allenthalben: Durch das Museum, zeitgenössisch mit Multimedia-Angeboten aufgemotzt, führen Zitate eines fiktiven Ermittlers namens Stahnke. Am Ende des Rundgangs – der an elegant beleuchteten Vitrinen voller Münzen und Militaria entlangführt – kommt Stahnke zum Fazit: »Nach all den Jahren sind wir uns jetzt sicher: Kalkriese ist der Ort der Varusschlacht.« Rainer Wiegels, Leiter der Forschungsstelle Rom und Germanien an der Uni Osnabrück, hat das jüngst etwas vorsichtiger formuliert: »Nach derzeitigem Stand der Forschung kann das Fundareal in Kalkriese als besonders gut erhaltener Schauplatz im Kontext der Varusschlacht bezeichnet werden.« Weil so ein Satz auf keinem Hinweisschild Platz hätte, werden Autofahrer auf der Autobahn schlicht auf die »Varusschlacht im Osnabrücker Land« verwiesen. Ebendiese Schilder sind Siegfried Schoppe, Professor der Uni Hamburg am Institut für Wirtschaftsgeschichte, ein Dorn im Auge.
Für ihn manifestieren sie, »dass als wissenschaftliches Ergebnis verkauft wird, was nur eine Hypothese ist«. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen hat sich der Wirtschaftshistoriker zum Ziel gesetzt, dass die Schilder abmontiert oder mit einem Fragezeichen versehen werden. »Ich habe gar nichts dagegen«, sagt Schoppe, »dass die Kalkrieser feststellen, dass bei ihnen eine große Schlacht zwischen Römern und Germanen stattgefunden hat, vielleicht sogar die größte«. Aber auf die Varusschlacht gebe es keinen einzigen eindeutigen Hinweis.
Nun ist keiner im Schoppe-Trio Althistoriker, Numismatiker oder Archäologe. Das ficht Schoppe senior nicht an: »In der Wissenschaft geht es schlicht um logisches Denken.« Außerdem stehen die Herren Schoppe nicht alleine da. Auf ihrer Homepage zitieren sie Wissenschaftler aus Tübingen, Hannover und Münster, die – wie sie – den Schlussfolgerungen des Ermittlers Stahnke aus dem Museum Kalkriese nicht folgen wollen.
Offiziell ist man sich einig geworden: Zwischen dem Lipper und dem Osnabrücker Land, zwischen Detmold und Kalkriese wurde für 2009 per Vertrag Frieden geschlossen. Unter dem Titel Imperium Konflikt Mythos setzen die Orte Detmold, Haltern und Kalkriese für 13 Millionen Euro ein gemeinsames »Ausstellungsprojekt« um.
»Uns ärgert, wie aggressiv Kalkriese auftritt – und ganz ohne Beweise!«
Doch das Geld kann die Gräben nicht zuschütten. Der Sprecher des Kreises Lippe bleibt dabei: »Was uns hier so ärgert, ist, dass man in Kalkriese die Varusschlacht so aggressiv für sich beansprucht, ohne Beweise zu haben.« Der niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann wiederum beteuert, den Streit »völlig leidenschaftslos« zu verfolgen. Ihn wundert nicht, dass im Lipper Land tapfer Widerstand geleistet wird. »Jedem Lokalpatrioten fällt es schwer, einen Irrtum zuzugeben.« Auf welcher Seite der Ländergrenze der Irrtum liegt, ist für den Niedersachsen eindeutig: »Wenn man in einer einfachen Excel-Tabelle die Argumente aufreiht, wird ganz klar, dass sie in ihrer Summe Kalkriese mit der Varusschlacht in Verbindung bringen.«
Und so stehen sich die Kontrahenten unversöhnlich gegenüber. Als Vermittler indes gilt der Pensionär Peter Glüsing, einst am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Münster. Ihm sei vor allem wichtig, sagt er, dass die Forschung vorankomme und weitere Erkenntnisse zutage fördere – ob sie nun für oder gegen das Varusschlachtfeld in Kalkriese spräche. Und eigentlich, findet Glüsing, »kann man sich auch nichts darauf einbilden, der Ort der Varusschlacht zu sein. Schließlich wurden dort Tausende von Römern und Germanen abgemurkst und niedergemetzelt.«
DIE ZEIT, 29.03.2007 Nr. 14
http://zeus.zeit.de/text/2007/14/LS-Varusschlacht
Das letzte Gefecht
Wo fand dereinst die legendäre Varusschlacht statt? Pünktlich zum 2000. Jahrestag kämpft Kalkriese in Niedersachsen gegen Konkurrenz aus Nordrhein-Westfalen.
Von Silke Hellwig
Kalkriese
Im Museumsshop ist die Welt noch in Ordnung. Hier liegen Playmobil-Römer, Lavendelöl (»Antike Welt der Pflanzen«) und die Wurst »Harter Hermann« aus. Das Gasthaus wirbt für einen »Römischen Abend – cena et musica«. Rund 550.000 Besucher zählt die Freiluftanlage pro Jahr, darunter allein etwa 1.000 Schulklassen. Hauptattraktion ist der Museumsturm, in 26 Meter Höhe zerrt der Wind den Besuchern an den Haaren, und die Aussicht beansprucht ihre Fantasie. Tief unten, auf einer großen Grasfläche zwischen bewaldeten Hängen und Niederungen, soll sie sich abgespielt haben – die Varusschlacht. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurde sie als deutscher Gründungsmythos gehandelt: Arminius gegen Varus. Germanen gegen Römer. Im Jahre neun nach Christus. Gekämpft wird allerdings bis heute, wenn auch in anderer Besetzung.
Kalkriese im Osnabrücker Land steht nicht allein mit seinem Anspruch, die Stätte des historischen Aufstands von »Hermann, dem Cherusker«, zu sein. Vor allem das benachbarte Detmold neidet dem 850-Seelen-Örtchen Kalkriese, Stadtteil von Bramsche in Niedersachsen, seinen Ruhm. Und weil zwischen beiden Rivalen die Landesgrenze liegt, streiten jetzt Nordrhein-Westfalen gegen Niedersachsen, das Lipper gegen das Osnabrücker Land, Wissenschaftler gegen Hobbyforscher.
Blut fließt dabei nicht, die Gegner beharken sich allein mit Worten. Bei Podiumsdiskussionen, mit Aufsätzen, Büchern und Homepages. Gekämpft wird mit allen Mitteln – wer seine Erkenntnisse nicht veröffentlicht, wird nicht ernst genommen, wer nicht vom Fach ist, wird als »Heimathirsch« verunglimpft. Von Irreführung und Manipulation ist die Rede, von Geschichtsklitterung und Zitierkartellen. Schließlich geht es um viel: um Reputation, um Touristen, um Fördermittel und Forschungsgelder.
Der Streit schwelt schon seit Generationen. Mehrere hundert Orte wurden dabei als Schlachtfeld ausgemacht. Dass die Auseinandersetzung nunmehr neu entflammt ist, wundert Joseph Rottmann nicht – er diagnostiziert ein ansteigendes »Arminiusfieber«: In anderthalb Jahren jährt sich die Varusschlacht zum 2000. Mal. Und die Grabungsergebnisse in Kalkriese sprächen für sich, sagt der Geschäftsführer der »Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH«. 6000 Funde gebe es in Kalkriese, und »von Jahr zu Jahr kommen neue hinzu, das macht uns immer sicherer«. Weit und breit sei niemand, der ähnliche Schätze vorzuweisen habe, »um sich mit uns auf Augenhöhe auseinanderzusetzen«.
Durch das Museum führt ein fiktiver Ermittler namens Stahnke
Diese Selbstsicherheit dokumentiert sich allenthalben: Durch das Museum, zeitgenössisch mit Multimedia-Angeboten aufgemotzt, führen Zitate eines fiktiven Ermittlers namens Stahnke. Am Ende des Rundgangs – der an elegant beleuchteten Vitrinen voller Münzen und Militaria entlangführt – kommt Stahnke zum Fazit: »Nach all den Jahren sind wir uns jetzt sicher: Kalkriese ist der Ort der Varusschlacht.« Rainer Wiegels, Leiter der Forschungsstelle Rom und Germanien an der Uni Osnabrück, hat das jüngst etwas vorsichtiger formuliert: »Nach derzeitigem Stand der Forschung kann das Fundareal in Kalkriese als besonders gut erhaltener Schauplatz im Kontext der Varusschlacht bezeichnet werden.« Weil so ein Satz auf keinem Hinweisschild Platz hätte, werden Autofahrer auf der Autobahn schlicht auf die »Varusschlacht im Osnabrücker Land« verwiesen. Ebendiese Schilder sind Siegfried Schoppe, Professor der Uni Hamburg am Institut für Wirtschaftsgeschichte, ein Dorn im Auge.
Für ihn manifestieren sie, »dass als wissenschaftliches Ergebnis verkauft wird, was nur eine Hypothese ist«. Gemeinsam mit seinen beiden Söhnen hat sich der Wirtschaftshistoriker zum Ziel gesetzt, dass die Schilder abmontiert oder mit einem Fragezeichen versehen werden. »Ich habe gar nichts dagegen«, sagt Schoppe, »dass die Kalkrieser feststellen, dass bei ihnen eine große Schlacht zwischen Römern und Germanen stattgefunden hat, vielleicht sogar die größte«. Aber auf die Varusschlacht gebe es keinen einzigen eindeutigen Hinweis.
Nun ist keiner im Schoppe-Trio Althistoriker, Numismatiker oder Archäologe. Das ficht Schoppe senior nicht an: »In der Wissenschaft geht es schlicht um logisches Denken.« Außerdem stehen die Herren Schoppe nicht alleine da. Auf ihrer Homepage zitieren sie Wissenschaftler aus Tübingen, Hannover und Münster, die – wie sie – den Schlussfolgerungen des Ermittlers Stahnke aus dem Museum Kalkriese nicht folgen wollen.
Offiziell ist man sich einig geworden: Zwischen dem Lipper und dem Osnabrücker Land, zwischen Detmold und Kalkriese wurde für 2009 per Vertrag Frieden geschlossen. Unter dem Titel Imperium Konflikt Mythos setzen die Orte Detmold, Haltern und Kalkriese für 13 Millionen Euro ein gemeinsames »Ausstellungsprojekt« um.
»Uns ärgert, wie aggressiv Kalkriese auftritt – und ganz ohne Beweise!«
Doch das Geld kann die Gräben nicht zuschütten. Der Sprecher des Kreises Lippe bleibt dabei: »Was uns hier so ärgert, ist, dass man in Kalkriese die Varusschlacht so aggressiv für sich beansprucht, ohne Beweise zu haben.« Der niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann wiederum beteuert, den Streit »völlig leidenschaftslos« zu verfolgen. Ihn wundert nicht, dass im Lipper Land tapfer Widerstand geleistet wird. »Jedem Lokalpatrioten fällt es schwer, einen Irrtum zuzugeben.« Auf welcher Seite der Ländergrenze der Irrtum liegt, ist für den Niedersachsen eindeutig: »Wenn man in einer einfachen Excel-Tabelle die Argumente aufreiht, wird ganz klar, dass sie in ihrer Summe Kalkriese mit der Varusschlacht in Verbindung bringen.«
Und so stehen sich die Kontrahenten unversöhnlich gegenüber. Als Vermittler indes gilt der Pensionär Peter Glüsing, einst am Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Münster. Ihm sei vor allem wichtig, sagt er, dass die Forschung vorankomme und weitere Erkenntnisse zutage fördere – ob sie nun für oder gegen das Varusschlachtfeld in Kalkriese spräche. Und eigentlich, findet Glüsing, »kann man sich auch nichts darauf einbilden, der Ort der Varusschlacht zu sein. Schließlich wurden dort Tausende von Römern und Germanen abgemurkst und niedergemetzelt.«
DIE ZEIT, 29.03.2007 Nr. 14
http://zeus.zeit.de/text/2007/14/LS-Varusschlacht
Donnerstag, 22. März 2007
Stellungnahme zur Aufnahme von Ermittlungen durch das LKA Niedersachsen im Fall Varusschlacht-Kalkriese nach Eingang einer anonymen Anzeige
Die Vorgänge um das Ausgrabungsfeld in Kalkriese sind von Anfang an dubios. In jedem Fall kann man festhalten, dass die Festlegung auf die Varusschlacht voreilig erfolgte, da es bis heute nicht einen einzigen Beleg für die Anwesenheit des Varus, aber spätestens seit 1996 einige dagegen gibt. Das Etikett „Varusschlacht“, mit dem sich die Kalkrieser Ausgräber schmücken, ist nach meinem Dafürhalten den Lippern aus kommerziellen Interessen heraus entwendet worden.
So muss man feststellen, dass das „Unternehmen“, die Marke „Varusschlacht“ Kalkriese zuzuordnen, insbesondere der Regional- und Tourismusförderung und dem eigenen „Wissenschaftsbetrieb“ dient. Ob dieses Verhalten eine steuerliche Gemeinnützigkeit rechtfertigt, sei einmal dahingestellt, denn dies ist von Amts wegen durch die Finanzbehörden zu prüfen. Eine Gemeinnützigkeit wegen wissenschaftlichen Arbeitens würde ich persönlich in diesem Fall verneinen, weil die angewandten Methoden in Bezug auf wesentliche Ergebnisse nicht wissenschaftlich sind.
Ob das unethische Verhalten allerdings strafbar ist, muss man – vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden – allerdings bezweifeln. Das skandalöse Verhalten entzieht sich schon deshalb einer strafrechtlichen Ahndung, weil nicht mit letzter Gewissheit nachgewiesen werden kann, dass Zuschüsse ohne das behauptete Varusschlachtfeld nicht ausgeschüttet worden wären und wer jeweils zu welcher Zeit verantwortlich war.
Daher wurde von mir keine Anzeige erstattet und ich beabsichtige auch nicht, dies zu tun. Ich setze darauf, dass der inzwischen begonnene wissenschaftliche Selbstreinigungsprozess unter dem zunehmenden öffentlichen Druck weiter fortgesetzt wird. Wir dürfen nicht verkennen, dass Kalkriese als der „Ort der Varusschlacht“ selbst von den dortigen Wissenschaftlern nicht mehr behauptet, sondern inzwischen teilweise sogar offen bezweifelt wird.
Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe
22.03.2007
So muss man feststellen, dass das „Unternehmen“, die Marke „Varusschlacht“ Kalkriese zuzuordnen, insbesondere der Regional- und Tourismusförderung und dem eigenen „Wissenschaftsbetrieb“ dient. Ob dieses Verhalten eine steuerliche Gemeinnützigkeit rechtfertigt, sei einmal dahingestellt, denn dies ist von Amts wegen durch die Finanzbehörden zu prüfen. Eine Gemeinnützigkeit wegen wissenschaftlichen Arbeitens würde ich persönlich in diesem Fall verneinen, weil die angewandten Methoden in Bezug auf wesentliche Ergebnisse nicht wissenschaftlich sind.
Ob das unethische Verhalten allerdings strafbar ist, muss man – vorbehaltlich weiterer Erkenntnisse der Ermittlungsbehörden – allerdings bezweifeln. Das skandalöse Verhalten entzieht sich schon deshalb einer strafrechtlichen Ahndung, weil nicht mit letzter Gewissheit nachgewiesen werden kann, dass Zuschüsse ohne das behauptete Varusschlachtfeld nicht ausgeschüttet worden wären und wer jeweils zu welcher Zeit verantwortlich war.
Daher wurde von mir keine Anzeige erstattet und ich beabsichtige auch nicht, dies zu tun. Ich setze darauf, dass der inzwischen begonnene wissenschaftliche Selbstreinigungsprozess unter dem zunehmenden öffentlichen Druck weiter fortgesetzt wird. Wir dürfen nicht verkennen, dass Kalkriese als der „Ort der Varusschlacht“ selbst von den dortigen Wissenschaftlern nicht mehr behauptet, sondern inzwischen teilweise sogar offen bezweifelt wird.
Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe
22.03.2007
Kripo prüft Betrugsvorwurf
HINWEIS: Die Anzeige stammt weder von Prof. Schoppe, noch aus seinem Umfeld. Unsere öffentlich erhobenen Forderungen finden Sie hier: http://www.arminius-varusschlacht.de/auseinandersetzung.htm Wir halten nichts von anonymen Anzeigen.
Varusschlacht: Hat sich Kalkriese Millionen erschlichen?
Von Ernst-Wilhelm Pape Detmold/Hannover (WB).
Zwei Jahre vor den Feierlichkeiten zum Jubiläum »2000 Jahre Varusschlacht« hat das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) in Hannover Hinweise auf einen möglichen Subventionsbetrug erhalten.
Professor Schoppe: Gemeinnützigkeit prüfen.
Die Staatsanwaltschaft müsse klären, unter welchen Umständen die gemeinnützige »Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH - Museum und Park Kalkriese«, mehrere Millionen Euro öffentliche Gelder erhalten hat, teilte ein anonymer Hinweisgeber dem LKA mit. Die Millionenzuwendungen seien vermutlich unter Verwendung von falschen Angaben erschlichen worden.
Bereits 1992 sei zum Beispiel in Kalkriese das Mundblech (Schutzblech) einer Schwertscheide aus Bronze gefunden worden, die die Inschrift LPA trage, die Abkürzung für Legio Prima Augusta. Diese I. Legion Germanica habe aber erst 14 bis 16 nach Christus in die Kämpfe zwischen Germanen und Römern eingegriffen.
Diese Tatsache sei jedoch erst jetzt in einem Buch von Professor Dr. Rainer Wiegels (Universität Osnabrück) zugegeben worden, obwohl Wiegels spanische Kollegin Paz Gracia-Bellido schon 1996 bestätigte, dass die I. Legion Germanica mit der Varusschlacht im Jahre 9 Christus nicht zu tun habe. Die Öffentlichkeit sei wider besseres Wissen mit dem Zurückhalten wissenschaftlicher Tatsachen getäuscht worden, heißt es in der anonymen Anzeige, die dieser Zeitung vorliegt.
Ferner sei beim Abschluss des Kooperationsvertrages mit den nordrhein-westfälischen Partnern, Römermuseum Haltern und Lippe (hier steht das Hermannsdenkmal, das an die Varusschlacht erinnert) über die Feierlichkeiten im Jahre 2009 der Fund vermutlich verschwiegen worden.Das LKA will die Angaben des Hinweisgebers eingehend prüfen und bei einem Anfangsverdacht die Staatsanwaltschaft Osnabrück informieren.
Zudem hat der Hamburger Uni-Professor Dr. Siegfried G. Schoppe (62) einen Antrag auf Überprüfung der Gemeinnützigkeit der GmbH in Kalkriese angekündigt. Für die nicht belegbare These, die Varusschlacht habe in Kalkriese stattgefunden, seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Es müsse dringend untersucht werden, ob die GmbH lediglich Wirtschaftsförderung und Tourismuswerbung zum Ziel habe.
Artikel vom 20.03. 2007
Varusschlacht: Hat sich Kalkriese Millionen erschlichen?
Von Ernst-Wilhelm Pape Detmold/Hannover (WB).
Zwei Jahre vor den Feierlichkeiten zum Jubiläum »2000 Jahre Varusschlacht« hat das niedersächsische Landeskriminalamt (LKA) in Hannover Hinweise auf einen möglichen Subventionsbetrug erhalten.
Professor Schoppe: Gemeinnützigkeit prüfen.
Die Staatsanwaltschaft müsse klären, unter welchen Umständen die gemeinnützige »Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH - Museum und Park Kalkriese«, mehrere Millionen Euro öffentliche Gelder erhalten hat, teilte ein anonymer Hinweisgeber dem LKA mit. Die Millionenzuwendungen seien vermutlich unter Verwendung von falschen Angaben erschlichen worden.
Bereits 1992 sei zum Beispiel in Kalkriese das Mundblech (Schutzblech) einer Schwertscheide aus Bronze gefunden worden, die die Inschrift LPA trage, die Abkürzung für Legio Prima Augusta. Diese I. Legion Germanica habe aber erst 14 bis 16 nach Christus in die Kämpfe zwischen Germanen und Römern eingegriffen.
Diese Tatsache sei jedoch erst jetzt in einem Buch von Professor Dr. Rainer Wiegels (Universität Osnabrück) zugegeben worden, obwohl Wiegels spanische Kollegin Paz Gracia-Bellido schon 1996 bestätigte, dass die I. Legion Germanica mit der Varusschlacht im Jahre 9 Christus nicht zu tun habe. Die Öffentlichkeit sei wider besseres Wissen mit dem Zurückhalten wissenschaftlicher Tatsachen getäuscht worden, heißt es in der anonymen Anzeige, die dieser Zeitung vorliegt.
Ferner sei beim Abschluss des Kooperationsvertrages mit den nordrhein-westfälischen Partnern, Römermuseum Haltern und Lippe (hier steht das Hermannsdenkmal, das an die Varusschlacht erinnert) über die Feierlichkeiten im Jahre 2009 der Fund vermutlich verschwiegen worden.Das LKA will die Angaben des Hinweisgebers eingehend prüfen und bei einem Anfangsverdacht die Staatsanwaltschaft Osnabrück informieren.
Zudem hat der Hamburger Uni-Professor Dr. Siegfried G. Schoppe (62) einen Antrag auf Überprüfung der Gemeinnützigkeit der GmbH in Kalkriese angekündigt. Für die nicht belegbare These, die Varusschlacht habe in Kalkriese stattgefunden, seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Es müsse dringend untersucht werden, ob die GmbH lediglich Wirtschaftsförderung und Tourismuswerbung zum Ziel habe.
Artikel vom 20.03. 2007
Donnerstag, 8. März 2007
Zwei Jahre vor dem Jubiläum
Bielefeld (ddp-nrw). Zwei Jahre vor den Feierlichkeiten zum Jubiläum »2000 Jahre Varusschlacht« gibt es offenbar immer mehr Belege, dass die Schlacht im Teutoburger Wald nicht in Kalkriese bei Osnabrück stattgefunden hat. Das berichtet das Bielefelder «Westfalen-Blatt» (Donnerstagausgabe).
Bereits 1992 sei in Kalkriese das Schutzblech einer Schwertscheide aus Bronze gefunden worden, das die Inschrift LPA trägt, die Abkürzung für «Legio Prima Augusta». Diese I. Legion Germanica griff aber erst 14 bis 16 nach Christus in die Kämpfe ein, schreibt die Zeitung. Im Jahre 9 nach Christus, dem Jahr der Varusschlacht, befand sich diese Legion in Mainz, heißt es in dem Bericht.
»Es ist skandalös, dass ein Fund aus dem Jahr 1992, dessen Interpretation durch eine ausländische Expertin seit 1996 feststeht, erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird,« sagte der Hamburger Universitäts-Professor Siegfried G. Schoppe dem «Westfalen-Blatt». Erst jetzt habe Professor Rainer Wiegels (Uni Osnabrück) in einem neuen Band »Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit« zugegeben, dass ihm seine spanische Kollegin Paz Gracia-Bellido bereits 1996 vermittelte, dass es sich eindeutig um die Abkürzung einer Legion handelte, die mit der Varusschlacht nichts zu tun hat.
Zudem belegten entdeckte römische Spitzgräben und Münzfunde, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald, in der Hermann der Cherusker (Arminius) drei Legionen des römischen Staathalters Varus besiegte, nicht in Kalkriese stattgefunden habe, sagte Schoppe der Zeitung. Die Schlacht habe in Lippe stattgefunden, wo auch das Hermannsdenkmal stehe. Somit müsse das Jubiläum in erster Linie auch dort gefeiert werden.
Die Feierlichkeiten im Jahre 2009 finden in Kalkriese, dem Kreis Lippe und dem Römermuseum in Haltern (Kreis Recklinghausen) statt und sollen rund 13 Millionen Euro kosten. Schirmherrin soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden.
(ddp) © Copyright ddp Nachrichtenagentur GmbH
Quelle: Freie Presse 08.03.1997 http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/842291.html
Bereits 1992 sei in Kalkriese das Schutzblech einer Schwertscheide aus Bronze gefunden worden, das die Inschrift LPA trägt, die Abkürzung für «Legio Prima Augusta». Diese I. Legion Germanica griff aber erst 14 bis 16 nach Christus in die Kämpfe ein, schreibt die Zeitung. Im Jahre 9 nach Christus, dem Jahr der Varusschlacht, befand sich diese Legion in Mainz, heißt es in dem Bericht.
»Es ist skandalös, dass ein Fund aus dem Jahr 1992, dessen Interpretation durch eine ausländische Expertin seit 1996 feststeht, erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird,« sagte der Hamburger Universitäts-Professor Siegfried G. Schoppe dem «Westfalen-Blatt». Erst jetzt habe Professor Rainer Wiegels (Uni Osnabrück) in einem neuen Band »Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit« zugegeben, dass ihm seine spanische Kollegin Paz Gracia-Bellido bereits 1996 vermittelte, dass es sich eindeutig um die Abkürzung einer Legion handelte, die mit der Varusschlacht nichts zu tun hat.
Zudem belegten entdeckte römische Spitzgräben und Münzfunde, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald, in der Hermann der Cherusker (Arminius) drei Legionen des römischen Staathalters Varus besiegte, nicht in Kalkriese stattgefunden habe, sagte Schoppe der Zeitung. Die Schlacht habe in Lippe stattgefunden, wo auch das Hermannsdenkmal stehe. Somit müsse das Jubiläum in erster Linie auch dort gefeiert werden.
Die Feierlichkeiten im Jahre 2009 finden in Kalkriese, dem Kreis Lippe und dem Römermuseum in Haltern (Kreis Recklinghausen) statt und sollen rund 13 Millionen Euro kosten. Schirmherrin soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden.
(ddp) © Copyright ddp Nachrichtenagentur GmbH
Quelle: Freie Presse 08.03.1997 http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/842291.html
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Legion I Germanica,
Nachrichten
Dienstag, 6. März 2007
Aktuelle Veröffentlichung März 2007
Offenbar hat es sich die Göttinger Akademie der Wissenschaften auf ihre Fahnen geschrieben, die auf Abwege geratenen Kollegen der Universität Osnabrück auf den Pfad wissenschaftlicher Tugenden zurückzuführen. Schon das Vorwort zum Sammelband: "Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde", Göttingen 2007, hat es in sich. Dort schreibt Professor Dr. Wiegels, der die Varus-Festlegung von Kalkriese hauptverantwortlich trägt: "Über der Diskussion von Wahrscheinlichkeiten und gewichtigen Indizien sollte hier jedenfalls nicht vergessen werden, dass unter strengem methodisch-kritischen Ansatz die Frage noch immer als offen zu gelten hat, welche militärischen Vorgänge der spätaugusteischen Phase der Fundplatz von Kalkriese im Kontext der varus-Schlacht [so das Original] widerspiegelt".
Nicht nur Wiegels hat Kreide gefressen, auch Frau Dr. Susanne Wilbers-Rost, Ehegattin von Herrn Dr. Rost und nach eigenem Selbstverständnis Chef-Ausgräberin der Varusschlacht in Kalkriese, die in letzter Zeit immer streitbarer wurde, wenn ihr jemand ihr Lieblingsspielzeug nehmen wollte. Sie kommt unter den gestrengen Augen der "Akademie der Wissenschaften zu Göttingen" zu dem entlarvenden Schluss: "Möglicherweise ergeben sich auf diesem Wege auch Hinweise zur Identifizierung des Schlachtfeldes mit den in den antiken Quellen überlieferten Kampfhandlungen aus spätaugusteisch/frühtiberischer Zeit" (S. 27). Da soll man nicht überrascht sein, nachdem die Autorin über ein Jahrzehnt das Stichwort ihres Ziehvaters Dr. Schlüter gebetsmühlenhaft wiederholt hat, dass sie die Varusschlacht in Kalkriese ausgräbt und dass das auf alle Autobahn- und Straßenschilder gehört. Nun also Tiberius, 14 n. Chr. ff?
Abenteuerlich ist, wie Privatdozent Dr. Boris Dreyer es schafft, in seinem erst später hinzugefügten Artikel "Zum Verlauf der Varusniederlage" den Bogen von den antiken Textquellen hin zu den Ausgrabungen von Kalkriese zu schlagen. Zunächst ist man verblüfft, dass nach einer Wiederholung der Behauptung, es sei "nicht methodisch korrekt, den Schlachtort nach literarischen Quellen zu suchen" (dieses ist das Lieblingsthema des Zitierkartells Kalkriese), dann genau die inkriminierten Quellen den Weg weisen sollen: Von der Weser über Detmold bis hin nach Kalkriese - in angeblich vier Tagen unter schwerstem Beschuss von Horn-Bad Meinberg über 80 km über das Wiehengebirge!
Aber was kann man erwarten von einem Interpreten, der Varus "nordwestlich entlang des Teutoburger Waldes" marschieren lässt, wenn er meint nordöstlich des Teutoburger Waldes - aber nordwestwärts. Dann greift Dreyer die Kritiker des Kalkriese-Zitierkartells an: "Dem Unternehmen [!], auf der Basis der archäologischen Befunde die Auseinandersetzungen bei Kalkriese in die durch die literarischen Quellen bezeugte Gesamtkatastrophe der Varusarmee einzuordnen, stehen in letzter Zeit unternommene Versuche entgegen [hört, hört!], das zur Verfügung stehende Quellenmaterial umzuinterpretieren" (S. 373).
Wie geht das eigentlich zusammen, wenn er vorn auf S. 366 alle "literarischen Quellen" (seine Lieblingsfloskel) verwirft, weil sie "unterschiedlich interpretierbar" sind, dann sich derselben interpretierend bedient und dann andere Interpretationen inkriminiert? Und was hat es eigentlich mit Wissenschaftlichkeit zu tun, wenn er es im letzten Satz seines Beitrages den Detmoldern noch einmal richtig gibt: "Stimmen die Überlegungen über den Verlauf der Varusniederlage [er meint seine zuvor krampfhaft stimmig gemachten Interpretationen], dann bleibt als Fazit festzuhalten, dass das Denkmal des Arminius/Hermann in Detmold insofern auf dem falschen Platz steht, dass nicht dort - wie von den Erbauern des Denkmals und vielen anderen angenommen - die Varus-Armee unterging, sondern vielmehr, dass nordwestlich [nein, Herr Dreyer, nordöstlich!] davon ihr Untergang begann, der sich westlich von Kalkriese vollendete".
Von einem so generös argumentierenden Historiker kann man nicht auch noch Genauigkeit in jedem geografischen Detail erwarten. Vielleicht wollte sich Dreyer mit der Qualität seines Aufsatzes dafür rächen, dass er erst nachträglich von Wiegels (S. 89) um einen Beitrag gebeten wurde, der die Textquellen und Kalkriese wieder in Einklang bringen sollte: Um zusammenzufassen, was nicht zusammengehört. Dieser Aufsatz hat, weil erst nachträglich geschrieben, nicht die Kontrollen der Göttinger Akademie der Wissenschaften durchlaufen und fällt gegenüber den anderen Beiträgen, was Qualität und Differenzierungsvermögen angeht, erheblich ab. Er dient lediglich dem Zweck, die in der Tagung gewonnenen Erkenntnisse gegen Kalkriese als Ort der Varusschlacht durch eine an der Tagung nicht beteiligte Einzelmeinung in dem Tagungsband nachträglich zu relativieren.
Wiegels selbst balanciert ähnlich wie Dreyer auf des Messers Schneide. Er liest auf dem Mundblech einer Schwertscheide, dass dort L P A steht - und er weiß das seit dem Fund in Kalkriese 1992. Erst jetzt rückt er mit der Erkenntnis heraus, die ihm seine spanische Kollegin Paz García-Bellido bereits 1996 (!) vermittelte, dass es sich eindeutig um die Abkürzung für (L)egio (P)rima (A)ugusta handelt, dass also in irgendeiner Weise die I. Legion mit Kalkriese zu tun hatte, die aber zuerst in Spanien und zur Varus-Zeit in Mainz lag und später als Legio I Germanica zur Verfügung stand.
Da Wiegels selbst alle bisherigen Funde mit der Kennung I einer I. Kohorte zuordnete und auch seine Kollegin Franzius veranlasste, so zu verfahren, ergab sich das kuriose Fundbild, dass dort lauter I. Kohorten (oder nur eine I. Kohorte) zu verifizieren, aber keinerlei Legionskennungen zu finden waren. Trotz intensivster Suche wurde nichts von einer XVII, XVIII oder XIX Legion des Varus gefunden, aber nun auf einmal mehrere Hinweise auf die I. Legion? Das durfte nicht wahr sein und schon gar nicht wissenschaftlicher Erkenntnisstand werden, bis sich dies bei einer Tagung im Juni 2004 in Osnabrück nicht mehr verhindern ließ.
Im Grunde ist es skandalös, dass ein Fund aus 1992, dessen Interpretation durch eine ausländische Expertin seit 1996 fest steht, erst jetzt, eine Dekade später, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Immerhin handelt es sich um einen der wenigen empirischen Anhaltspunkte zur Überprüfung der Varus-Hypothese überhaupt. So kann es den außenstehenden Betrachter nicht überraschen, dass Wiegels im zeitlichen Zusammenhang mit der gemeinsamen Tagung im Jahr 2004 die wissenschaftliche Leitung der Ausgrabungen in Kalkriese an Dr. Moosbauer, einen inzwischen über das Lager Regensburg habilitierenden Mitarbeiter seines Fachbereichs, abgab.
Funde und kritische Kollegen sorgten weiter für Beunruhigung, so dass jetzt also Wiegels mühsam versucht, sich zu einer Halbwahrheit durchzuringen. So ist es für den Leser nicht überraschend, dass Wiegels nun eine "neue Dislokationsgeschichte" erfindet: Nicht die Legion I war in Kalkriese, sondern nur einige Kohorten derselben waren Varus zugeteilt. So kann man die Varusniederlage in Kalkriese vielleicht doch noch in einen Sieg für das Kartell ummünzen. Und so wird mit dem letzten Satz der Leser vertröstet: "Was bleibt, ist die Hoffnung auf weitere aussagekräftige Funde". Ja, ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, Herr Wiegels! Jetzt wird also munter ein neuer Forschungszweig erfunden, die "Dislokationsgeschichte der römischen Armee" (S. 110).
Auch Wilbers-Rost hat für ihren Gatten Rost schon ein neues international beachtetes Forschungsfeld, Battlefield Research, gefunden, nachdem beide bemerkten, dass Varus in Kalkriese nicht zu halten war: „Schlachtfeld-Forschung“.
Nachdem so intensiv und ohne jeden Erfolg nach den Kennungen XVII, XVIII und XIX gegraben wurde, aber nur Funde zur I. Legion ans Tageslicht kamen, dürfte für jeden unvoreingenommenen Wissenschaftler klar sein, dass Varus nie in Kalkriese war, wohl aber Germanicus bzw. Caecina.
Für das "Fach Alte Geschichte der Universität Osnabrück" gilt weiter der Spruch: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich doppelt ungeniert"!
Und Dr. jur. Joseph Rottmann, der hauptamtliche Geschäftsführer der Kalkriese-GmbH, muss natürlich weiter das Marketinggeschäft der Tourismusförderung betreiben statt wissenschaftlicher Forschung.
Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe
Quelle:
Lehmann, G. A./Wiegels, R. [Hrsg.]: „Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde. Beiträge zu der Tagung des Fachs Alte Geschichte der Universität Osnabrück und der Kommission ‚Imperium und Barbaricum’ der Göttinger Akademie der Wissenschaften in Osnabrück vom 10. bis 12. Juni 2004. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse: Dritte Folge, Band 279. Vorgelegt von Prof. G. A. Lehmann in der Sitzung vom 9. Dezember 2005.“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007 (449 Seiten mit 102 Abbildungen und Karten, 196 Euro, ISBN 978-3-525-82551-8).
Nicht nur Wiegels hat Kreide gefressen, auch Frau Dr. Susanne Wilbers-Rost, Ehegattin von Herrn Dr. Rost und nach eigenem Selbstverständnis Chef-Ausgräberin der Varusschlacht in Kalkriese, die in letzter Zeit immer streitbarer wurde, wenn ihr jemand ihr Lieblingsspielzeug nehmen wollte. Sie kommt unter den gestrengen Augen der "Akademie der Wissenschaften zu Göttingen" zu dem entlarvenden Schluss: "Möglicherweise ergeben sich auf diesem Wege auch Hinweise zur Identifizierung des Schlachtfeldes mit den in den antiken Quellen überlieferten Kampfhandlungen aus spätaugusteisch/frühtiberischer Zeit" (S. 27). Da soll man nicht überrascht sein, nachdem die Autorin über ein Jahrzehnt das Stichwort ihres Ziehvaters Dr. Schlüter gebetsmühlenhaft wiederholt hat, dass sie die Varusschlacht in Kalkriese ausgräbt und dass das auf alle Autobahn- und Straßenschilder gehört. Nun also Tiberius, 14 n. Chr. ff?
Abenteuerlich ist, wie Privatdozent Dr. Boris Dreyer es schafft, in seinem erst später hinzugefügten Artikel "Zum Verlauf der Varusniederlage" den Bogen von den antiken Textquellen hin zu den Ausgrabungen von Kalkriese zu schlagen. Zunächst ist man verblüfft, dass nach einer Wiederholung der Behauptung, es sei "nicht methodisch korrekt, den Schlachtort nach literarischen Quellen zu suchen" (dieses ist das Lieblingsthema des Zitierkartells Kalkriese), dann genau die inkriminierten Quellen den Weg weisen sollen: Von der Weser über Detmold bis hin nach Kalkriese - in angeblich vier Tagen unter schwerstem Beschuss von Horn-Bad Meinberg über 80 km über das Wiehengebirge!
Aber was kann man erwarten von einem Interpreten, der Varus "nordwestlich entlang des Teutoburger Waldes" marschieren lässt, wenn er meint nordöstlich des Teutoburger Waldes - aber nordwestwärts. Dann greift Dreyer die Kritiker des Kalkriese-Zitierkartells an: "Dem Unternehmen [!], auf der Basis der archäologischen Befunde die Auseinandersetzungen bei Kalkriese in die durch die literarischen Quellen bezeugte Gesamtkatastrophe der Varusarmee einzuordnen, stehen in letzter Zeit unternommene Versuche entgegen [hört, hört!], das zur Verfügung stehende Quellenmaterial umzuinterpretieren" (S. 373).
Wie geht das eigentlich zusammen, wenn er vorn auf S. 366 alle "literarischen Quellen" (seine Lieblingsfloskel) verwirft, weil sie "unterschiedlich interpretierbar" sind, dann sich derselben interpretierend bedient und dann andere Interpretationen inkriminiert? Und was hat es eigentlich mit Wissenschaftlichkeit zu tun, wenn er es im letzten Satz seines Beitrages den Detmoldern noch einmal richtig gibt: "Stimmen die Überlegungen über den Verlauf der Varusniederlage [er meint seine zuvor krampfhaft stimmig gemachten Interpretationen], dann bleibt als Fazit festzuhalten, dass das Denkmal des Arminius/Hermann in Detmold insofern auf dem falschen Platz steht, dass nicht dort - wie von den Erbauern des Denkmals und vielen anderen angenommen - die Varus-Armee unterging, sondern vielmehr, dass nordwestlich [nein, Herr Dreyer, nordöstlich!] davon ihr Untergang begann, der sich westlich von Kalkriese vollendete".
Von einem so generös argumentierenden Historiker kann man nicht auch noch Genauigkeit in jedem geografischen Detail erwarten. Vielleicht wollte sich Dreyer mit der Qualität seines Aufsatzes dafür rächen, dass er erst nachträglich von Wiegels (S. 89) um einen Beitrag gebeten wurde, der die Textquellen und Kalkriese wieder in Einklang bringen sollte: Um zusammenzufassen, was nicht zusammengehört. Dieser Aufsatz hat, weil erst nachträglich geschrieben, nicht die Kontrollen der Göttinger Akademie der Wissenschaften durchlaufen und fällt gegenüber den anderen Beiträgen, was Qualität und Differenzierungsvermögen angeht, erheblich ab. Er dient lediglich dem Zweck, die in der Tagung gewonnenen Erkenntnisse gegen Kalkriese als Ort der Varusschlacht durch eine an der Tagung nicht beteiligte Einzelmeinung in dem Tagungsband nachträglich zu relativieren.
Wiegels selbst balanciert ähnlich wie Dreyer auf des Messers Schneide. Er liest auf dem Mundblech einer Schwertscheide, dass dort L P A steht - und er weiß das seit dem Fund in Kalkriese 1992. Erst jetzt rückt er mit der Erkenntnis heraus, die ihm seine spanische Kollegin Paz García-Bellido bereits 1996 (!) vermittelte, dass es sich eindeutig um die Abkürzung für (L)egio (P)rima (A)ugusta handelt, dass also in irgendeiner Weise die I. Legion mit Kalkriese zu tun hatte, die aber zuerst in Spanien und zur Varus-Zeit in Mainz lag und später als Legio I Germanica zur Verfügung stand.
Da Wiegels selbst alle bisherigen Funde mit der Kennung I einer I. Kohorte zuordnete und auch seine Kollegin Franzius veranlasste, so zu verfahren, ergab sich das kuriose Fundbild, dass dort lauter I. Kohorten (oder nur eine I. Kohorte) zu verifizieren, aber keinerlei Legionskennungen zu finden waren. Trotz intensivster Suche wurde nichts von einer XVII, XVIII oder XIX Legion des Varus gefunden, aber nun auf einmal mehrere Hinweise auf die I. Legion? Das durfte nicht wahr sein und schon gar nicht wissenschaftlicher Erkenntnisstand werden, bis sich dies bei einer Tagung im Juni 2004 in Osnabrück nicht mehr verhindern ließ.
Im Grunde ist es skandalös, dass ein Fund aus 1992, dessen Interpretation durch eine ausländische Expertin seit 1996 fest steht, erst jetzt, eine Dekade später, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Immerhin handelt es sich um einen der wenigen empirischen Anhaltspunkte zur Überprüfung der Varus-Hypothese überhaupt. So kann es den außenstehenden Betrachter nicht überraschen, dass Wiegels im zeitlichen Zusammenhang mit der gemeinsamen Tagung im Jahr 2004 die wissenschaftliche Leitung der Ausgrabungen in Kalkriese an Dr. Moosbauer, einen inzwischen über das Lager Regensburg habilitierenden Mitarbeiter seines Fachbereichs, abgab.
Funde und kritische Kollegen sorgten weiter für Beunruhigung, so dass jetzt also Wiegels mühsam versucht, sich zu einer Halbwahrheit durchzuringen. So ist es für den Leser nicht überraschend, dass Wiegels nun eine "neue Dislokationsgeschichte" erfindet: Nicht die Legion I war in Kalkriese, sondern nur einige Kohorten derselben waren Varus zugeteilt. So kann man die Varusniederlage in Kalkriese vielleicht doch noch in einen Sieg für das Kartell ummünzen. Und so wird mit dem letzten Satz der Leser vertröstet: "Was bleibt, ist die Hoffnung auf weitere aussagekräftige Funde". Ja, ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, Herr Wiegels! Jetzt wird also munter ein neuer Forschungszweig erfunden, die "Dislokationsgeschichte der römischen Armee" (S. 110).
Auch Wilbers-Rost hat für ihren Gatten Rost schon ein neues international beachtetes Forschungsfeld, Battlefield Research, gefunden, nachdem beide bemerkten, dass Varus in Kalkriese nicht zu halten war: „Schlachtfeld-Forschung“.
Nachdem so intensiv und ohne jeden Erfolg nach den Kennungen XVII, XVIII und XIX gegraben wurde, aber nur Funde zur I. Legion ans Tageslicht kamen, dürfte für jeden unvoreingenommenen Wissenschaftler klar sein, dass Varus nie in Kalkriese war, wohl aber Germanicus bzw. Caecina.
Für das "Fach Alte Geschichte der Universität Osnabrück" gilt weiter der Spruch: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich doppelt ungeniert"!
Und Dr. jur. Joseph Rottmann, der hauptamtliche Geschäftsführer der Kalkriese-GmbH, muss natürlich weiter das Marketinggeschäft der Tourismusförderung betreiben statt wissenschaftlicher Forschung.
Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe
Quelle:
Lehmann, G. A./Wiegels, R. [Hrsg.]: „Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde. Beiträge zu der Tagung des Fachs Alte Geschichte der Universität Osnabrück und der Kommission ‚Imperium und Barbaricum’ der Göttinger Akademie der Wissenschaften in Osnabrück vom 10. bis 12. Juni 2004. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse: Dritte Folge, Band 279. Vorgelegt von Prof. G. A. Lehmann in der Sitzung vom 9. Dezember 2005.“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007 (449 Seiten mit 102 Abbildungen und Karten, 196 Euro, ISBN 978-3-525-82551-8).
Freitag, 19. Januar 2007
Osnabrücker Zeitung
Osnabrücker Land
19.01.2007
Eine kleine Schlacht live im Radio hmd
Bramsche. Eine Schlacht: So viel sei zugestanden. Aber die Varusschlacht? Am Ende hatte sich Prof. Siegfried Schoppe festgelegt, dass Kalkriese nicht infrage komme: "Das ist eine wissenschaftliche Geisterbahn, die gestoppt werden muss." Der Streit um das legendäre Schlachtfeld geht in die nächste Runde und gestern konnte ihn das Publikum live verfolgen.
Das "Nordwestradio unterwegs" ist stets auf der Suche nach kontroversen Themen und wurde nun im Osnabrücker Land fündig. Und das drückte Moderator Lars Cohrs so aus: "Ganz Deutschland setzt auf Kalkriese. Ganz Deutschland? Nein. Einige unbeugsame Wissenschaftler hören nicht auf, Widerstand zu leisten."
Zu den Skeptikern gehören Heinrich Kemper, Vorsitzender des Vereins "Arminiusforschung", und eben Schoppe. Der gab in der Diskussion gleich die Tonart vor: Es gehe Kalkriese allein um Drittmittel und Tourismusförderung. Beweise für die Schlacht gebe es hingegen nicht.
Die aber könne es auch nicht geben, sagte Dr. Susanne Wilbers-Rost, Leiterin der archäologischen Abteilung "Varusschlacht im Osnabrücker Land". Es gebe lediglich eine Indizienkette, und die würde mit mittlerweile 6000 Fundstücken wie Münzen oder Militaria und der Ausgrabung einer Wallanlage immer dichter. Und die wissenschaftliche Absicherung, so Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann, geschehe durch bislang vier Kongresse, eine ständige Evaluation und den mit Experten besetzten wissenschaftlichen Beirat.
Was aber, so nicht nur die Nachfrage von Cohrs, spreche für einen anderen Standort wie den Teutoburger Wald? Da mochte Kemper sich nicht festlegen. Was die Ausgrabungen betreffe, habe Lippe bislang "gepennt", so Schoppe [Anmerkung: Das kam von Herrn Kemper, uE ist das in gewisser Weise, jedoch eher unfreiwillig, zutreffend: Diejenigen, die Münzfunde aus dem Lipper Land auswerten, kümmern sich seit 20 Jahren lieber um Kalkriese, Lippe bleibt links liegen]. Dass die Schlacht dort nicht stattgefunden habe, davon ist Rottmann überzeugt angesichts 30 Fundstücken: "Dann mal voran in Lippe. Suchen Sie. Dann können wir weiterdiskutieren." [Typische, von uns gebrandmarkte Methodik: Wer das Gegenteil nicht beweisen kann, darf nichts sagen: Wissenschaftlich unhaltbar!]
http://www.neue-oz.de/information/noz_print/osnabruecker_land/15655525.html?SID=1d510fe7577a57a3eda831c0d1c94aae (Originalmeldung)
[Anmerkungen der Blog-Autoren in eckigen Klammern]
19.01.2007
Eine kleine Schlacht live im Radio hmd
Bramsche. Eine Schlacht: So viel sei zugestanden. Aber die Varusschlacht? Am Ende hatte sich Prof. Siegfried Schoppe festgelegt, dass Kalkriese nicht infrage komme: "Das ist eine wissenschaftliche Geisterbahn, die gestoppt werden muss." Der Streit um das legendäre Schlachtfeld geht in die nächste Runde und gestern konnte ihn das Publikum live verfolgen.
Das "Nordwestradio unterwegs" ist stets auf der Suche nach kontroversen Themen und wurde nun im Osnabrücker Land fündig. Und das drückte Moderator Lars Cohrs so aus: "Ganz Deutschland setzt auf Kalkriese. Ganz Deutschland? Nein. Einige unbeugsame Wissenschaftler hören nicht auf, Widerstand zu leisten."
Zu den Skeptikern gehören Heinrich Kemper, Vorsitzender des Vereins "Arminiusforschung", und eben Schoppe. Der gab in der Diskussion gleich die Tonart vor: Es gehe Kalkriese allein um Drittmittel und Tourismusförderung. Beweise für die Schlacht gebe es hingegen nicht.
Die aber könne es auch nicht geben, sagte Dr. Susanne Wilbers-Rost, Leiterin der archäologischen Abteilung "Varusschlacht im Osnabrücker Land". Es gebe lediglich eine Indizienkette, und die würde mit mittlerweile 6000 Fundstücken wie Münzen oder Militaria und der Ausgrabung einer Wallanlage immer dichter. Und die wissenschaftliche Absicherung, so Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann, geschehe durch bislang vier Kongresse, eine ständige Evaluation und den mit Experten besetzten wissenschaftlichen Beirat.
Was aber, so nicht nur die Nachfrage von Cohrs, spreche für einen anderen Standort wie den Teutoburger Wald? Da mochte Kemper sich nicht festlegen. Was die Ausgrabungen betreffe, habe Lippe bislang "gepennt", so Schoppe [Anmerkung: Das kam von Herrn Kemper, uE ist das in gewisser Weise, jedoch eher unfreiwillig, zutreffend: Diejenigen, die Münzfunde aus dem Lipper Land auswerten, kümmern sich seit 20 Jahren lieber um Kalkriese, Lippe bleibt links liegen]. Dass die Schlacht dort nicht stattgefunden habe, davon ist Rottmann überzeugt angesichts 30 Fundstücken: "Dann mal voran in Lippe. Suchen Sie. Dann können wir weiterdiskutieren." [Typische, von uns gebrandmarkte Methodik: Wer das Gegenteil nicht beweisen kann, darf nichts sagen: Wissenschaftlich unhaltbar!]
http://www.neue-oz.de/information/noz_print/osnabruecker_land/15655525.html?SID=1d510fe7577a57a3eda831c0d1c94aae (Originalmeldung)
[Anmerkungen der Blog-Autoren in eckigen Klammern]
Dienstag, 9. Januar 2007
Westfalen-Blatt 29.12.2006
Kalkriese ist ein »Millionengrab«
Steuergeld-Verschwendung prüfen
Von Ernst-Wilhelm Pape Detmold (WB).
Die Verschwendung von Steuergeldern hat der Hambuger Universitäts-Professor Dr. Siegfried G. Schoppe (62) den Verantwortlichen der gemeinnützigen Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH vorgeworfen.
Alle Argumente sprächen dafür, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 nach Christus in Lippe stattgefunden habe. Die These, die Schlacht habe in Kalkriese bei Osnabrück getobt, sei wissenschaftlich unhaltbar, sagte Schoppe, Professor am Uni-Institut für Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theologiegeschichte. Dies werde er in einem Ende Januar erscheinenden Buch beweisen.
Das Ausmaß der Verwendung öffentlicher Mittel in das Museum und die Grabungsstätte Kalkriese schreie nach einer Untersuchung. Für die Kalkriese-These seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Schoppe kündigte einen Antrag auf Überprüfung der Gemeinnützigkeit der GmbH an.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt), Landesverband Niedersachsen/Bremen, ist der Meinung, dass der Anspruch Ort der Varusschlacht zu sein, die Gefahr berge, öffentliche Kassen besser anzapfen zu können. In Anlehnung an den Ausruf von Kaiser Augustus angesichts der Niederlage der römischen Legionen gegen die Cherusker unter Führung von Arminius: »Varus, Varus gibt mir die Legionen zurück«, appelliert der Steuerzahlerbund an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Christian, Christian, pass auf unsere Euros auf.«
Die Landesregierung hat 2006 für die Auswertung der Schlachtfeldfunde in Kalkriese 700 000 Euro bewilligt.Ferner stehen im Landesetat seit 2004 jährlich 10 000 Euro für Kalkriese bereit. Diese Mittel sollen nach Angaben von BdSt-Sprecher Bernhard Zentgraf im Jubiläumsjahr 2009 deutlich erhöht werden. Ferner hofft Kalkriese auch auf Gelder der Europäischen Union.
Auch der Vorsitzende der Vereins Arminusforschung in Lippe, Heinrich Kemper (CDU-MdL), stellt den Alleinvertretungsanspruch von Kalkriese in Frage. Kemper will den Niedersachsen große Fragezeichen zum Aufkleben auf die Autobahn-Hinweisschilder »Kalkriese Ort der Varusschlacht« zur Verfügung stellen.
Steuergeld-Verschwendung prüfen
Von Ernst-Wilhelm Pape Detmold (WB).
Die Verschwendung von Steuergeldern hat der Hambuger Universitäts-Professor Dr. Siegfried G. Schoppe (62) den Verantwortlichen der gemeinnützigen Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH vorgeworfen.
Alle Argumente sprächen dafür, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 nach Christus in Lippe stattgefunden habe. Die These, die Schlacht habe in Kalkriese bei Osnabrück getobt, sei wissenschaftlich unhaltbar, sagte Schoppe, Professor am Uni-Institut für Wirtschaftssysteme, Wirtschafts- und Theologiegeschichte. Dies werde er in einem Ende Januar erscheinenden Buch beweisen.
Das Ausmaß der Verwendung öffentlicher Mittel in das Museum und die Grabungsstätte Kalkriese schreie nach einer Untersuchung. Für die Kalkriese-These seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Schoppe kündigte einen Antrag auf Überprüfung der Gemeinnützigkeit der GmbH an.
Der Bund der Steuerzahler (BdSt), Landesverband Niedersachsen/Bremen, ist der Meinung, dass der Anspruch Ort der Varusschlacht zu sein, die Gefahr berge, öffentliche Kassen besser anzapfen zu können. In Anlehnung an den Ausruf von Kaiser Augustus angesichts der Niederlage der römischen Legionen gegen die Cherusker unter Führung von Arminius: »Varus, Varus gibt mir die Legionen zurück«, appelliert der Steuerzahlerbund an den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Christian, Christian, pass auf unsere Euros auf.«
Die Landesregierung hat 2006 für die Auswertung der Schlachtfeldfunde in Kalkriese 700 000 Euro bewilligt.Ferner stehen im Landesetat seit 2004 jährlich 10 000 Euro für Kalkriese bereit. Diese Mittel sollen nach Angaben von BdSt-Sprecher Bernhard Zentgraf im Jubiläumsjahr 2009 deutlich erhöht werden. Ferner hofft Kalkriese auch auf Gelder der Europäischen Union.
Auch der Vorsitzende der Vereins Arminusforschung in Lippe, Heinrich Kemper (CDU-MdL), stellt den Alleinvertretungsanspruch von Kalkriese in Frage. Kemper will den Niedersachsen große Fragezeichen zum Aufkleben auf die Autobahn-Hinweisschilder »Kalkriese Ort der Varusschlacht« zur Verfügung stellen.
Deutschlandradio
Zweifel an Ort der Varusschlacht
Auch 1.997 Jahre nachdem der römische Feldherr Varus von den Germanen vernichtend geschlagen wurde, tobt die Schlacht der Historiker weiter. Dabei geht es um die Frage, wo der Waffengang damals stattgefunden hat - ob im Teutoburger Wald im Kreis Lippe oder, wie neuere Forschungen zu belegen scheinen, bei Kalkriese in der Nähe von Osnabrück. Der Hamburger Historiker Siegfried Schoppe hat sich noch einmal für Lippe in die Bresche geworfen. Alle Argumente sprächen dafür, sagte er dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" und kündigte die Veröffentlichung neuer Forschungsergebnisse an. Die Verwendung öffentlicher Mittel für ein Museum und für die Grabungsstätte in Kalkriese bezeichnete er dagegen als Verschwendung von Steuergeldern.
http://www.dradio.de/kulturnachrichten/200712291800/17 (Originalmeldung)
Auch 1.997 Jahre nachdem der römische Feldherr Varus von den Germanen vernichtend geschlagen wurde, tobt die Schlacht der Historiker weiter. Dabei geht es um die Frage, wo der Waffengang damals stattgefunden hat - ob im Teutoburger Wald im Kreis Lippe oder, wie neuere Forschungen zu belegen scheinen, bei Kalkriese in der Nähe von Osnabrück. Der Hamburger Historiker Siegfried Schoppe hat sich noch einmal für Lippe in die Bresche geworfen. Alle Argumente sprächen dafür, sagte er dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" und kündigte die Veröffentlichung neuer Forschungsergebnisse an. Die Verwendung öffentlicher Mittel für ein Museum und für die Grabungsstätte in Kalkriese bezeichnete er dagegen als Verschwendung von Steuergeldern.
http://www.dradio.de/kulturnachrichten/200712291800/17 (Originalmeldung)
Kölner Stadtanzeiger 29.12.2006
Wo fand die Varusschlacht statt?
Bielefeld - Im Streit um den tatsächlichen Ort der Varusschlacht gibt es immer mehr Zweifel an Kalkriese als Schauplatz der legendären Auseinandersetzung. Alle Argumente sprächen dafür, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus doch in Lippe stattgefunden habe, sagte der Hamburger Historiker Siegfried G. Schoppe dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" (Freitagausgabe). Die These, die Schlacht habe in Kalkriese bei Osnabrück getobt, sei wissenschaftlich unhaltbar. Einen entsprechenden Beweis werde er in einem Ende Januar erscheinenden Buch führen, so Schoppe.
Zugleich warf der Historiker den Verantwortlichen der gemeinnützigen Vereinigung Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH die Verschwendung von Steuermitteln vor. Das Ausmaß der Verwendung öffentlicher Mittel für das Museum und die Grabungsstätte Kalkriese schreie nach einer Untersuchung. Für die Kalkriese-These seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Der Hamburger Wissenschaftler will die Gemeinnützigkeit der GmbH überprüfen lassen.
Nach dem Bekanntwerden jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse ist der Streit über den tatsächlichen Ort der Varusschlacht neu entbrannt. Vor allem Geschichtsinteressierte aus dem Kreis Lippe zweifeln an, dass auf dem Grabungsfeld bei Kalkriese wirklich die Überreste des Waffengangs von 9 nach Christus gefunden wurden, bei dem drei römische Legionen von dem Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) vernichtend geschlagen wurden. Die Schlacht hat weltgeschichtliche Bedeutung, weil die Ausdehnung des Römischen Imperiums mit dieser militärischen Niederlage an seine nördliche Grenze stieß. (ddp)
http://www.ksta.de/html/artikel/1167386889128.shtml (Originalmeldung)
Bielefeld - Im Streit um den tatsächlichen Ort der Varusschlacht gibt es immer mehr Zweifel an Kalkriese als Schauplatz der legendären Auseinandersetzung. Alle Argumente sprächen dafür, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald im Jahr 9 nach Christus doch in Lippe stattgefunden habe, sagte der Hamburger Historiker Siegfried G. Schoppe dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" (Freitagausgabe). Die These, die Schlacht habe in Kalkriese bei Osnabrück getobt, sei wissenschaftlich unhaltbar. Einen entsprechenden Beweis werde er in einem Ende Januar erscheinenden Buch führen, so Schoppe.
Zugleich warf der Historiker den Verantwortlichen der gemeinnützigen Vereinigung Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH die Verschwendung von Steuermitteln vor. Das Ausmaß der Verwendung öffentlicher Mittel für das Museum und die Grabungsstätte Kalkriese schreie nach einer Untersuchung. Für die Kalkriese-These seien bereits mehr als zehn Millionen Euro ausgegeben worden. Der Hamburger Wissenschaftler will die Gemeinnützigkeit der GmbH überprüfen lassen.
Nach dem Bekanntwerden jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse ist der Streit über den tatsächlichen Ort der Varusschlacht neu entbrannt. Vor allem Geschichtsinteressierte aus dem Kreis Lippe zweifeln an, dass auf dem Grabungsfeld bei Kalkriese wirklich die Überreste des Waffengangs von 9 nach Christus gefunden wurden, bei dem drei römische Legionen von dem Cheruskerfürsten Arminius (Hermann) vernichtend geschlagen wurden. Die Schlacht hat weltgeschichtliche Bedeutung, weil die Ausdehnung des Römischen Imperiums mit dieser militärischen Niederlage an seine nördliche Grenze stieß. (ddp)
http://www.ksta.de/html/artikel/1167386889128.shtml (Originalmeldung)
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