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Samstag, 14. April 2007

Schleuderbleie

im Varus-Kurier No. 1, April 2002 (Hrsg. GemeinnützigeVarus-Gesellschaft zur Förderung der Vor- und frühgeschichtlichen Ausgrabungen im Osnabrücker Land e.V.) lese ich auf S. 7 bei Hon.-Prof. Dr. Wolfgang Schlüter, dass ihm bereits im Sommer 1988 Captain Clunn drei Bleiobjekte vorlegte, die sich als Schleudergeschosse identifizieren ließen, wie sie von römischen Hilfstruppen verwendet wurden, die die Römer im Mittelmeerraum rekrutierten. Was dort nicht steht, ist die Tatsache, dass es sich bei Schleuderern regelmäßig um Bewohner der Balearen handelte, der spanischen Mittelmeerinseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera.
Diese Iberer erhielten von den griechischen Kolonisatoren und Seefahrern den Namen "Schleuderer" bzw."Steinwerfer" (abgeleitet von ballein, d.h. werfen, schleudern). Dass die Varus-Legionen XVII Minervia, XVIII Caudiana (XIIX) und XIX Cannensis, die aus dem östlichen Mittelmeer zunächst nach Gallien und dann an den Niederrhein verlegt worden waren, keine iberischen Hilfstruppen hatten, sondern gallische und germanische, hätte man damals schon erkennen koennen.
Dieses war schon ein ganz früher Hinweis auf Hilfstruppen des Germanicus, die zu den aus Spanien abgezogenen Legionen gehörten: I Augusta Germanica, II Augusta und V Alaudae - also auf die Zeit 14 - 16 n. Chr. statt auf 9 n. Chr., wie Schlüter noch einmal in diesem Beitrag behauptet.
Dieses ist ein weiterer Beleg, wie voreingenommen und einseitig dieKalkrieser ihre Funde dem Erkenntnisziel: Varusschlacht 9 n. Chr. in Kalkriese unterordnen.

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. S. G. Schoppe

Donnerstag, 8. März 2007

Zwei Jahre vor dem Jubiläum

Bielefeld (ddp-nrw). Zwei Jahre vor den Feierlichkeiten zum Jubiläum »2000 Jahre Varusschlacht« gibt es offenbar immer mehr Belege, dass die Schlacht im Teutoburger Wald nicht in Kalkriese bei Osnabrück stattgefunden hat. Das berichtet das Bielefelder «Westfalen-Blatt» (Donnerstagausgabe).

Bereits 1992 sei in Kalkriese das Schutzblech einer Schwertscheide aus Bronze gefunden worden, das die Inschrift LPA trägt, die Abkürzung für «Legio Prima Augusta». Diese I. Legion Germanica griff aber erst 14 bis 16 nach Christus in die Kämpfe ein, schreibt die Zeitung. Im Jahre 9 nach Christus, dem Jahr der Varusschlacht, befand sich diese Legion in Mainz, heißt es in dem Bericht.

»Es ist skandalös, dass ein Fund aus dem Jahr 1992, dessen Interpretation durch eine ausländische Expertin seit 1996 feststeht, erst jetzt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird,« sagte der Hamburger Universitäts-Professor Siegfried G. Schoppe dem «Westfalen-Blatt». Erst jetzt habe Professor Rainer Wiegels (Uni Osnabrück) in einem neuen Band »Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit« zugegeben, dass ihm seine spanische Kollegin Paz Gracia-Bellido bereits 1996 vermittelte, dass es sich eindeutig um die Abkürzung einer Legion handelte, die mit der Varusschlacht nichts zu tun hat.

Zudem belegten entdeckte römische Spitzgräben und Münzfunde, dass die legendäre Schlacht im Teutoburger Wald, in der Hermann der Cherusker (Arminius) drei Legionen des römischen Staathalters Varus besiegte, nicht in Kalkriese stattgefunden habe, sagte Schoppe der Zeitung. Die Schlacht habe in Lippe stattgefunden, wo auch das Hermannsdenkmal stehe. Somit müsse das Jubiläum in erster Linie auch dort gefeiert werden.

Die Feierlichkeiten im Jahre 2009 finden in Kalkriese, dem Kreis Lippe und dem Römermuseum in Haltern (Kreis Recklinghausen) statt und sollen rund 13 Millionen Euro kosten. Schirmherrin soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werden.

(ddp) © Copyright ddp Nachrichtenagentur GmbH

Quelle: Freie Presse 08.03.1997 http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/KULTUR/842291.html

Dienstag, 6. März 2007

Aktuelle Veröffentlichung März 2007

Offenbar hat es sich die Göttinger Akademie der Wissenschaften auf ihre Fahnen geschrieben, die auf Abwege geratenen Kollegen der Universität Osnabrück auf den Pfad wissenschaftlicher Tugenden zurückzuführen. Schon das Vorwort zum Sammelband: "Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde", Göttingen 2007, hat es in sich. Dort schreibt Professor Dr. Wiegels, der die Varus-Festlegung von Kalkriese hauptverantwortlich trägt: "Über der Diskussion von Wahrscheinlichkeiten und gewichtigen Indizien sollte hier jedenfalls nicht vergessen werden, dass unter strengem methodisch-kritischen Ansatz die Frage noch immer als offen zu gelten hat, welche militärischen Vorgänge der spätaugusteischen Phase der Fundplatz von Kalkriese im Kontext der varus-Schlacht [so das Original] widerspiegelt".

Nicht nur Wiegels hat Kreide gefressen, auch Frau Dr. Susanne Wilbers-Rost, Ehegattin von Herrn Dr. Rost und nach eigenem Selbstverständnis Chef-Ausgräberin der Varusschlacht in Kalkriese, die in letzter Zeit immer streitbarer wurde, wenn ihr jemand ihr Lieblingsspielzeug nehmen wollte. Sie kommt unter den gestrengen Augen der "Akademie der Wissenschaften zu Göttingen" zu dem entlarvenden Schluss: "Möglicherweise ergeben sich auf diesem Wege auch Hinweise zur Identifizierung des Schlachtfeldes mit den in den antiken Quellen überlieferten Kampfhandlungen aus spätaugusteisch/frühtiberischer Zeit" (S. 27). Da soll man nicht überrascht sein, nachdem die Autorin über ein Jahrzehnt das Stichwort ihres Ziehvaters Dr. Schlüter gebetsmühlenhaft wiederholt hat, dass sie die Varusschlacht in Kalkriese ausgräbt und dass das auf alle Autobahn- und Straßenschilder gehört. Nun also Tiberius, 14 n. Chr. ff?

Abenteuerlich ist, wie Privatdozent Dr. Boris Dreyer es schafft, in seinem erst später hinzugefügten Artikel "Zum Verlauf der Varusniederlage" den Bogen von den antiken Textquellen hin zu den Ausgrabungen von Kalkriese zu schlagen. Zunächst ist man verblüfft, dass nach einer Wiederholung der Behauptung, es sei "nicht methodisch korrekt, den Schlachtort nach literarischen Quellen zu suchen" (dieses ist das Lieblingsthema des Zitierkartells Kalkriese), dann genau die inkriminierten Quellen den Weg weisen sollen: Von der Weser über Detmold bis hin nach Kalkriese - in angeblich vier Tagen unter schwerstem Beschuss von Horn-Bad Meinberg über 80 km über das Wiehengebirge!

Aber was kann man erwarten von einem Interpreten, der Varus "nordwestlich entlang des Teutoburger Waldes" marschieren lässt, wenn er meint nordöstlich des Teutoburger Waldes - aber nordwestwärts. Dann greift Dreyer die Kritiker des Kalkriese-Zitierkartells an: "Dem Unternehmen [!], auf der Basis der archäologischen Befunde die Auseinandersetzungen bei Kalkriese in die durch die literarischen Quellen bezeugte Gesamtkatastrophe der Varusarmee einzuordnen, stehen in letzter Zeit unternommene Versuche entgegen [hört, hört!], das zur Verfügung stehende Quellenmaterial umzuinterpretieren" (S. 373).

Wie geht das eigentlich zusammen, wenn er vorn auf S. 366 alle "literarischen Quellen" (seine Lieblingsfloskel) verwirft, weil sie "unterschiedlich interpretierbar" sind, dann sich derselben interpretierend bedient und dann andere Interpretationen inkriminiert? Und was hat es eigentlich mit Wissenschaftlichkeit zu tun, wenn er es im letzten Satz seines Beitrages den Detmoldern noch einmal richtig gibt: "Stimmen die Überlegungen über den Verlauf der Varusniederlage [er meint seine zuvor krampfhaft stimmig gemachten Interpretationen], dann bleibt als Fazit festzuhalten, dass das Denkmal des Arminius/Hermann in Detmold insofern auf dem falschen Platz steht, dass nicht dort - wie von den Erbauern des Denkmals und vielen anderen angenommen - die Varus-Armee unterging, sondern vielmehr, dass nordwestlich [nein, Herr Dreyer, nordöstlich!] davon ihr Untergang begann, der sich westlich von Kalkriese vollendete".

Von einem so generös argumentierenden Historiker kann man nicht auch noch Genauigkeit in jedem geografischen Detail erwarten. Vielleicht wollte sich Dreyer mit der Qualität seines Aufsatzes dafür rächen, dass er erst nachträglich von Wiegels (S. 89) um einen Beitrag gebeten wurde, der die Textquellen und Kalkriese wieder in Einklang bringen sollte: Um zusammenzufassen, was nicht zusammengehört. Dieser Aufsatz hat, weil erst nachträglich geschrieben, nicht die Kontrollen der Göttinger Akademie der Wissenschaften durchlaufen und fällt gegenüber den anderen Beiträgen, was Qualität und Differenzierungsvermögen angeht, erheblich ab. Er dient lediglich dem Zweck, die in der Tagung gewonnenen Erkenntnisse gegen Kalkriese als Ort der Varusschlacht durch eine an der Tagung nicht beteiligte Einzelmeinung in dem Tagungsband nachträglich zu relativieren.

Wiegels selbst balanciert ähnlich wie Dreyer auf des Messers Schneide. Er liest auf dem Mundblech einer Schwertscheide, dass dort L P A steht - und er weiß das seit dem Fund in Kalkriese 1992. Erst jetzt rückt er mit der Erkenntnis heraus, die ihm seine spanische Kollegin Paz García-Bellido bereits 1996 (!) vermittelte, dass es sich eindeutig um die Abkürzung für (L)egio (P)rima (A)ugusta handelt, dass also in irgendeiner Weise die I. Legion mit Kalkriese zu tun hatte, die aber zuerst in Spanien und zur Varus-Zeit in Mainz lag und später als Legio I Germanica zur Verfügung stand.

Da Wiegels selbst alle bisherigen Funde mit der Kennung I einer I. Kohorte zuordnete und auch seine Kollegin Franzius veranlasste, so zu verfahren, ergab sich das kuriose Fundbild, dass dort lauter I. Kohorten (oder nur eine I. Kohorte) zu verifizieren, aber keinerlei Legionskennungen zu finden waren. Trotz intensivster Suche wurde nichts von einer XVII, XVIII oder XIX Legion des Varus gefunden, aber nun auf einmal mehrere Hinweise auf die I. Legion? Das durfte nicht wahr sein und schon gar nicht wissenschaftlicher Erkenntnisstand werden, bis sich dies bei einer Tagung im Juni 2004 in Osnabrück nicht mehr verhindern ließ.

Im Grunde ist es skandalös, dass ein Fund aus 1992, dessen Interpretation durch eine ausländische Expertin seit 1996 fest steht, erst jetzt, eine Dekade später, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Immerhin handelt es sich um einen der wenigen empirischen Anhaltspunkte zur Überprüfung der Varus-Hypothese überhaupt. So kann es den außenstehenden Betrachter nicht überraschen, dass Wiegels im zeitlichen Zusammenhang mit der gemeinsamen Tagung im Jahr 2004 die wissenschaftliche Leitung der Ausgrabungen in Kalkriese an Dr. Moosbauer, einen inzwischen über das Lager Regensburg habilitierenden Mitarbeiter seines Fachbereichs, abgab.

Funde und kritische Kollegen sorgten weiter für Beunruhigung, so dass jetzt also Wiegels mühsam versucht, sich zu einer Halbwahrheit durchzuringen. So ist es für den Leser nicht überraschend, dass Wiegels nun eine "neue Dislokationsgeschichte" erfindet: Nicht die Legion I war in Kalkriese, sondern nur einige Kohorten derselben waren Varus zugeteilt. So kann man die Varusniederlage in Kalkriese vielleicht doch noch in einen Sieg für das Kartell ummünzen. Und so wird mit dem letzten Satz der Leser vertröstet: "Was bleibt, ist die Hoffnung auf weitere aussagekräftige Funde". Ja, ja, die Hoffnung stirbt zuletzt, Herr Wiegels! Jetzt wird also munter ein neuer Forschungszweig erfunden, die "Dislokationsgeschichte der römischen Armee" (S. 110).

Auch Wilbers-Rost hat für ihren Gatten Rost schon ein neues international beachtetes Forschungsfeld, Battlefield Research, gefunden, nachdem beide bemerkten, dass Varus in Kalkriese nicht zu halten war: „Schlachtfeld-Forschung“.

Nachdem so intensiv und ohne jeden Erfolg nach den Kennungen XVII, XVIII und XIX gegraben wurde, aber nur Funde zur I. Legion ans Tageslicht kamen, dürfte für jeden unvoreingenommenen Wissenschaftler klar sein, dass Varus nie in Kalkriese war, wohl aber Germanicus bzw. Caecina.

Für das "Fach Alte Geschichte der Universität Osnabrück" gilt weiter der Spruch: "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich doppelt ungeniert"!

Und Dr. jur. Joseph Rottmann, der hauptamtliche Geschäftsführer der Kalkriese-GmbH, muss natürlich weiter das Marketinggeschäft der Tourismusförderung betreiben statt wissenschaftlicher Forschung.

Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe


Quelle:

Lehmann, G. A./Wiegels, R. [Hrsg.]: „Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der augusteischen Zeit. Der Fundplatz von Kalkriese im Kontext neuerer Forschungen und Ausgrabungsbefunde. Beiträge zu der Tagung des Fachs Alte Geschichte der Universität Osnabrück und der Kommission ‚Imperium und Barbaricum’ der Göttinger Akademie der Wissenschaften in Osnabrück vom 10. bis 12. Juni 2004. Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Philologisch-Historische Klasse: Dritte Folge, Band 279. Vorgelegt von Prof. G. A. Lehmann in der Sitzung vom 9. Dezember 2005.“, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007 (449 Seiten mit 102 Abbildungen und Karten, 196 Euro, ISBN 978-3-525-82551-8).

Freitag, 19. Januar 2007

Erste Legion in Kalkriese eindeutig nachgewiesen!

Das Mundblech einer Schwertscheide in Bronze vom Oberesch in Kalkriese (Fundnummer 10.926) trägt ganz klar die Initialen "LP" als Ritzinschrift (Varus-Kurier Nr. 8, Dez. 2006, S. 3).

Das bedeutet eindeutig Legio Prima - erste Legion.

Das auf anderen Funden identifizierte "P" wurde schon von Prof. Wiegels (siehe auch den gesonderten Post zur geänderten Auffassung von Prof. Wiegels in diesem Zusammenhang) mit der Ersten Legion in Verbindung gebracht. Das vorgestellte "L" räumt jetzt jeden Restzweifel aus.

Das beweist, dass Varus nicht in Kalkriese gewesen sein kann, weil die Legio I Germanica 9 nach Christus in Mainz stationiert und an der Varusschlacht nicht beteiligt war (Marcus Junkelmann, "Die Legionen des Augustus", S. 97, Mainz 1986).

Diese Legio I Germanica wurde erst von Germanicus 14 bis 16 nach Christus nach ihrer Verlegung an den Niederrhein zwischen Rhein und Weser eingesetzt.

Mt freundlichen Grüßen
Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe

Prof. Wiegels: Doch eine erste Legion!

Professor Dr. Rainer Wiegels, zweiter Vorsitzender der Varus-Gesellschaft im Osnabrücker Land e.V. spricht als erster "Kalkrieser" nun auch die Möglichkeit einer Ersten Legion in Kalkriese an: "Legio I in Kalkriese? Zu einer Ritzinschrift auf dem Mundblech einer Schwertscheide aus Kalkriese, in: G. A. Lehmann u. R. Wiegels (Hrsg.), Römische Präsenz und Herrschaft im Germanien der Augusteischen Zeit (Göttingen 20007, S. 89 ff). Was wir schon aus den Panzerschließen-Inschriften des AIUS richtig geschlussfolgert hatten, findet jetzt schönste zusätzliche Bestätigung aus weiteren Funden, die nur richtig statt manipulativ interpretiert werden müssen. Allerdings fällt es Prof. Wiegels extrem schwer, nach der frühen Festlegung von1990/93 (zusammen mit Wilbers-Rost und Franzius) nun auch öffentlich einzugestehen, was er im Grunde längst verstanden hat: Dass die Häufung der I (Legio I) und des P (Legio Prima) auf den Kalkrieser Funden nicht Kohorte und nicht Centurie meint - sondern Legion!

Und dass damit auch ganz zwanglos das Fehlen der Varianischen Legions-Kennziffern erklärt ist: Die I. Legion war in Kalkriese, aber nicht die Legionen XVII, XVIII und XIX - keine Spur davon trotz intensivster Suche! So veröffentlicht er doch tatsächlich als höchstpersönliches Kontrastprogramm auf S. 1 ff des "Varus-Kurier" (Informationen für Freunde und Förderer des Projekts Kalkriese, Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Kalkriese, 12. Jg.-I/Dezember 2006) zur Beruhigung seiner Vereinsmitglieder noch einmal seine frühere Meinung: "Im Kampf mit den Germanen - Cohors I in Kalkriese!" Was für eine geistige Verrenkung: Nun muß Varus auf Befehl des Kalkriese-Zitierkartells statt mit den drei Legionen LEG XVII, LEG XIIX (so die Grabstein-Inschrift Xanten) und LEG XIX (C I/3. Kohorte, so auf einem Blech aus Dangstetten) mit nur einer I. Kohorte (ohne Legionskennung) gegen die Germanen des Arminius kämpfen.

Längst ist Wiegels klar, dass die weitere I auf einem Bleilot und das P(rima) auf dem Mundblech einer Schwertscheide immer die Erste Legion kennzeichnen, nicht die Erste Kohorte und Erste Zenturie. Aber Wiegels bedauert sehr: "Wiederum wird die cohors I einer Legion genannt, wiederum - leider - aber ohne Legionsziffer. Für die betreffende Zeit nicht ungewöhnlich ist die Schreibweise P für prima an Stelle einer Ziffer, was z. B. auch in einer weiteren Ritzinschrift auf einem Mundblech einer Schwertscheide aus Kalkriese in dieser Form geschah, dort aber wohl zur Bezeichnung einer Legion, nicht einer Kohorte diente".

Es gibt also doch noch Hoffnung, dass wissenschaftliche Redlichkeit sich gegen die Manipulation der öffentlichen Meinung durchsetzt.

Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe

Mittwoch, 10. Januar 2007

Münzfunde

Warum sind in Kalkriese die Gesetze der Wahrscheinlichkeit außer Kraft gesetzt?

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen sind die Münz-Hortfunde:
1. Haltern 4056
2. Kalkriese-Lutterkrug
3. Kalkriese - Sammlung Bar, Gut Barenaue.

Nach Frank Berger (Das Geld der römischen Soldaten, in: Kalkriese - Römer im Osnabrücker Land, Bramsche 1993) fällt eine alleinige Dominanz der nachchristlich geprägten Münzen im Münzhort Haltern auf, wo sich primär die Legionen XVII, XVIII und XIX (Varus-Legionen) aufhielten. Dagegen ist der Anteil der vorchristlichen Münzen bei den beiden Kalkrieser Hortfunden größer. Das ist sehr überraschend angesichts der Hypothese, dass die drei Varus-Legionen 9 n. Chr. in Kalkriese ihr Ende fanden und unter der Prämisse, dass die beiden Horte dort im Zusammenhang mit der Varusschlacht stehen.

Jedenfalls hatte zunächst Theodor Mommsen (Die Örtlichkeit der Varusschlacht, Sitzungsbericht der Königlichen Akademie derWissenschaften zu Berlin, Berlin 1885) seine Vermutung der Varusschlacht in Kalkriese auf die Münzfunde aus Barenauer Grundstücken gestützt; und die Kalkrieser heute stützen weiterhin wegen der Münzfunde des Captain Clunn ihre Varusschlacht-Kalkriese-Hypothese eben darauf.

Nun hatte aber Lodtmann 1753 auf den ersten ausschließlich aus Barenauer Grundstücken stammenden 127 Silber- und Goldmünzen die Legionskennungen II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X, XIII, XV, XVI, XVII und XX entdeckt, also statistisch gesehen 50 % (14) der insgesamt 28 römischen Legionen, die es um Christi Geburt gab.

Von den drei Legionen des Varus aber findet sich nur eine wieder (33 %). Das ist natürlich sehr unwahrscheinlich, wenn in den dortigen Kampf ausschließlich Varus-Legionen verwickelt waren.

Wäre Asprenas 9 n. Chr. mit den beiden Legionen V und XXI parallel zu Varus in Kalkriese in Schwierigkeiten geraten, dann hätten wir wieder die oben vorgegebene Wahrscheinlichkeit mit 50 % (1/2).

Kritiker der Kalkriese-Hypothese führen an, dass es sich dort um die Schlacht des an den Pontes Longi gehandelt haben könnte. Wie sieht es da mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung aus? Caecina war (15 n. Chr.) mit den Legionen I, V, XX, XXI unterwegs, hier ist die Korrelation also wieder bei den erwarteten 50 % (2/4).

Wie sieht es mit der Angrivarierwall-Vermutung in Kalkriese aus? Germanicus war 16 n. Chr. mit den acht Legionen I, II, V, XIII, XIV, XVI, XX, XXI im Einsatz, so dass die Signifikanz auf 63 % (5/8) ansteigt.

Damit ist die Wahrscheinlichkeit für den Angrivarierwall in Kalkriese also mit Abstand am höchsten und für die Varusschlacht am geringsten. Das sollte zu denken geben, weil durch Militaria-Funde die Legion I zusätzlich bezeugt ist, was die Wahrscheinlichkeit für Germanicus am Angrivarierwall auf 75 % (6/8) hebt wie auch für Caecina an den Pontes Longi auf 75% (3/4), aber wegen der geringeren Zahl nicht so signifikant.

Die nüchterne Welt der Statistik des Zufalls spricht am stärksten gegen die Varusschlacht in Kalkriese. Sie erhärtet die Vermutung, dass das Kalkriese-Kartell seine Monopolstellung auch bei der Einordnung und Bewertung des empirischen Befundes auf der Grabungsstelle ausnutzt. Es ist höchste Zeit, dass der Ombudsmann der DFG einen neutralen Gutachter bestellt, der alle bisherigen Funde noch einmal in Augenschein nimmt. Am besten geeignet wäre ein Numismatiker aus Frankreich, weil dort die größte Expertise bzgl. der Münzprägungen in Gallien (Lyon/Lugdunum) zu erwarten ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe

Dienstag, 9. Januar 2007

Einordnung der Inschrift

Georgia Franzius (Die römischen Funde aus Kalkriese, Bramsche 1993) hat unter dem Eindruck der damals öffentlich geführten Varusschlacht-Kampagne Kalkriese die Punze auf der bronzenen Schließe eines Kettenpanzers der Reiterei: M. AIUS I FABRICI falsch übersetzt mit "Legionär M. Aius diente in der 1. Cohorte in der Centurie des Fabricius". Diese fehlgeschlagene Übersetzung ist Ergebnis fehlenden Hintergrundwissens und mangelnder Lateinkenntnisse der Gutachterin sowie des von der Academic Community ausgeübten Druckes; denn bei einer Varusschlacht in Kalkriese durften weder Reiter erscheinen noch eine I. Legion.

Die richtige Übersetzung lautet: "M. Aius von der I. Legion der Fabrizier"; von Cohorte und Centurie ist keine Rede, auch der Legionär wird hinzugedichtet; Fabrici(i) ist hier nicht Genitiv- sondern Pluralform. Außerdem handelt es sich nicht um einen völlig unbekannten Centurienführer, sondern um den historisch bedeutenden Feldherrn und zweimaligen Consul (282 und 278 v. Chr.) Gaius Fabricius Luscinus, der sich in den Kämpfen gegen Pyrrhus und in den Friedensverhandlungen mit Pyrrhus als Censor 275 v. Chr. ewigen Ruhm als vir vere Romanus erworben hatte. Denn er reagierte weder auf Bestechungsversuche noch auf Drohungen des Pyrrhus (König von Epirus 297 - 272 v. Chr.); als ehrlicher Makler zwischen den Hellenen und Römern lehnte er auch einen Giftanschlag auf Pyrrhus ab und warnte diesen sogar davor.

Der Gefallene, der Träger der Panzerschließe mit der Ritzinschrift auf der Rückseite M. AII I FAB I war, gehörte auch nicht zu den Fabri, d.h. Pionieren, sondern er war Angehöriger (oder trug den abgelegten Panzer eines Veterans) der I. Legion: Nicht die Cohorte oder Centurie stand im Mittelpunkt, sondern die Legion, die im Imperium Romanum einen Namen hatte. Zur Zeit des Varus gab es 28 Legionen, wobei mehrere Legionsnummern mehrfach vergeben waren, so dass die höchste Ziffer XXII war. In der Zeit des ausgehenden Königtums (509 v. Chr.) wurden dagegen nur zwei Legionen regulär aufgeboten. Die Zahl der regulären von Consuln geführten Legionen in der Republik war auf vier begrenzt. Bei Caesars "Inflation der Legionen", die allesamt nicht nur gezählt, sondern auch mit Cognomina benannt wurden, blieben die vier consularischen Legionen I, II, III und IV in ihrer Benennung von den Consuln abhängig. Erst unter Augustus wurden auch diese Legionen zu kaiserlichen Legionen - allesamt mit dem Namen Augusta: (Augusta) Germanica, Augusta, (Augusta) Pia Fidelis und (Augusta) Macedonica.

Die I. Legion mit der größten Tradition wurde von ihren Consuln Legio Fabricia genannt in Erinnerung an den legendären republikanischen Feldherrn und Consul Fabricius Luscinus. Als Augustus diese Legion dem Mark Anton im Osten entrissen und nach Spanien verlegt hatte, nannte er sie I Augusta. Wegen eines Fehlverhaltens (M. Junkelmann, Die Legionen des Augustus, Mainz 1986) ging die Erste ihres Namens Augusta verlustig und wurde nach Gallien verlegt (nach 19 v. Chr.). Dann wurde sie an den Mittelrhein und später an den Niederrhein verschoben und hieß dann mit Cognomen Germanica. Aufgrund dieser Geschichte ist es erklärlich, dass die Angehörigen der I. sich noch über einige Zeit die Fabrizier nannten und dass bei der Weiternutzung von Rüstungen selbstverständlich die Punzen und Ritzinschriften mit FAB oder FABRICI nicht getilgt wurden.

Die Anwesenheit der I. Legion der Fabrizier in Kalkriese ist der empirische Beweis, der von Kritikern bisher vergebens gesucht wurde, um die Unmöglichkeit der Varusschlacht in Kalkriese zu belegen. Der Einwand, dass doch die Cognomina der Legionen typische Merkmale, Tugenden, Regionenbezeichnungen, Gottheiten seien, ist durch die besondere Stellung der consularischen Legionen bis zur Zeit des Augustus erklärt, der alle vier dann auf seinen eigenen Namen (Legio Augusta) umtaufte. Und wer mit der Pluralerklärung Fabrici(i) nicht einverstanden ist, der darf auch gern LEGIO FABRICI(A) daraus lesen.

Der Versuch, den hier beschriebenen Fund zur Verifizierung der Varusschlacht in Kalkriese "umzumünzen", ist damit misslungen. Die Panzerschließe ist der Beweis für Germanicus und Caecina in Kalkriese.

Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe

Mittwoch, 3. Januar 2007

Die Fehlinterpretation von Legionsabzeichen

Typisch ist der Umgang der Vertreter der Kalkriese-Varusschlacht Hypothese mit den vier gefundenen Panzerschließen, die von Franzius (Georgia Franzius, Die römischen Funde aus Kalkriese, Bramsche 1993) zunächst richtig der Reiterei zugeordnet wurden. Auf einer Schließe eines Kettenpanzers findet sich auf der Unterseite eine Punze, die sich nach Frau Franzius wie "M. Aius I Fabrici" liest und mit "Legionär M. Aius in der I. Kohorte in der Centurie des Fabricius" zu übersetzen sei. Damit stellt sie ihr eigenes archäologisches Forschungsergebnis "vier Panzerschließen der Reiterei" für eine der Schließen selbst wieder in Frage, weil diese ja angeblich zur I. Kohorte, zu den Fußsoldaten, gehört.

Hier hört nun langsam der Spaß auf: Weil Varus in Kalkriese mit den Legionen XVII, XVIII und XIX, jedoch nicht der Legion I. Germanica Augusta unterging, da also nicht wahr sein darf, was nicht wahr sein soll, musste die Legionskennung I, die man tatsächlich gefunden hatte - von einem Reiter, der 16 n. Chr. zur I. Legion des Germanicus gehörte - als Kohortenkennung eines Legionärs gelesen werden. Denn Varus hatte am Ende keine Reiterei mehr, weil diese desertierte! Tatsächlich war 16 n. Chr. Germanicus unter anderem mit der I. Legion plus Reiterei am Angrivarierwall in Kalkriese: Ein klarer Beweis gegen die "Varusschlacht Kalkriese"-Hypothese.

Die Kalkrieser sind so sehr in ihrer eigenen Welt befangen, dass sie zwanghaft sogar eindeutige Falsifizierungen in Verifizierungen ihrer Hypothese ummünzen müssen: Und ist es auch Wahnsinn, so hat er doch Methode.

Nicht die Kohorte, sondern die Legion ist das Identifikationsmerkmal und der Stolz römischer Soldaten. Archäologen finden Legionskennungen auf Ziegeln, an Bauten, auf Bronzetäfelchen ..., jedoch nicht primär Kohortenkennungen. Wie bei den Spitzgräben der römischen Legionen in Kalkriese, so muss auch für die Legionskennung I eine haarsträubende Uminterpretation herhalten - ohne jeglichen Präzedenzfall in der Archäologie.

Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die neuen Methoden der "Schlachtfeld-Archäologie" ihres Erfinders Rost in Kalkriese. Es ist den Kalkriesern nicht nur gelungen, Frank Berger mit seinen eher kritischen Münzbefunden, sondern auch Georgia Franzius zu den gewünschten Interpretationen zu verleiten - und von unerwünschten Ergebnissen abzuhalten. Wir dürfen nicht verkennen, dass die Legionskennungen auf den Münzhorten von Kalkriese sämtlich ausschließlich auf Germanicus-Legionen hinweisen.

Wenn nun der Geschäftsführer des Museumsparks Kalkriese allen Kritikern süffisant entgegnet, man könne doch nicht erwarten, dass Varus seine Visitenkarte hinterlegt habe, so hat er selbstverständlich recht, denn jener war nie in Kalkriese und zum Zeitpunkt der Schlacht bei Kalkriese schon sieben Jahre tot.

Mit dem Fund der Panzerschließen hat man ungewollt die Anwesenheit einer römischen Reitereinheit, einer Ala, nachgewiesen, die im Heer des Germanicus Dienst tat oder unter Caecina - und vor Christi Geburt schon unter Domitius Ahenobarbus. Denn auf der Innenseite einer Schwertscheiden-Klammer, die inzwischen auch in Kalkriese gefunden wurde (Georgia Franzius u. Rainer Wiegels, Beschläge einer Gladiusscheide und Teile eines cingulum aus Kalkriese, in: Germania, H. 1, 2000, S. 567 -607) lässt sich eine Ritzinschrift mit "Domitii", des Domitius (Ahenobarbus), entschlüsseln, obwohl der Mitautor des Franzius-Beitrages, Rainer Wiegels, dieses ablehnt (vgl. Rolf Bökemeier, Die Varusschlacht, Tübingen 2000, S. 188).

Mit freundlichen Grüßen,
Univ.-Prof. Dr. Siegfried G. Schoppe